Corona-Abstand waren: Wie angele ich meinen O-Ton?

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    Ich arbeite seit Jahren mit einer viel einfacheren und billigeren Angel: Einem Teleskop-Besenstiel.

    Vorne wird noch eine Universal Mikrofonklammer befestigt, die zusätzlich mit einem Stück Gummi ummantelt ist und auch kleine Aufnahmegeräte wie den Zoom1 aufnimmt. Dann spart man sich auch noch das Kabel. Alles zusammen wiegt vielleicht 500 Gramm und kostet keine 10 Euro.

    Vermutlich habt ihr den Besenstiel eh zu Hause oder es gibt ihn in größeren Supermärkten oder Baumarkt. Die Klammer kann man zur Not mit 2-Komponentenkleber befestigen.


    Das Ganze kann man locker mit einer Hand bedienen und hat 1,50 Meter effektive Länge + 50 cm Abstand macht 2 Meter.

    Die Besenstiele haben oft eine konische Schraubverbindung. Ich nutze das Monacor MH99 und habe mir aus Gummi einen Überzieher für die Backen mit Schlaufe gebastelt. Den Stiel gab es als Rest für 1 Euro. Gesamtkosten: 6 Euro (plus Vulkanisierlösung fürs Gummi).

    Ich habe in den letzten Jahren sicher 100 Aufnahmen damit gemacht: Noch nie Körperschallprobleme gehabt. Ich klemme inzwischen immer das Aufnahmegerät ein und verzichte auf ein externes Mikro.


    Das Problem ist die Klammer: Sie ist leicht zerbrechlich.

  • Dann füge ich mal meine ersten Erfahrungen mit dem Angeln dazu. Das darf ja eigentlich gar nicht sein, dass man nach fast 20 Jahren Radioarbeit noch nie mit der Tonangel zu tun hatte. Wer sollte profesioneller mit Ton umgehen, als wir, die davon leben? Ha, ha!


    Also, mit der Besenstilmethode habe ich es noch nicht probiert. Aber gut, Kai ist ein erfahrener Kollege, und es sieht auf dem Foto auch gar nicht so improvisiert aus. Was mich daran stört, ist: Ich hätte damit den Rekorder weit weg von mir auch keinen Einfluss mehr auf den Pegel, ich hätte ihn ja nicht mal mehr in Sichtweite. Der Automatik habe ich noch bei jedem Rekorder misstraut, störendes Pumpen nervt, insbesondere wenn es sich um ein Feature handelt, für das man auch mal Schweigen oder Stille in der Aufnahme haben will. Zudem lässt sich ein Kopfhörer so nur schwer einsetzen. Das heißt alles nicht, dass das Material nicht sendefähig wäre, aber für ein Feature oder ruhigere Formate würde ich damit nicht arbeiten.


    Aber vor allem kam Kais Hinweis zu spät. Ich habe mir im Zuge der Coronakrise schon vor dieser Diskussion eine Tonangel gekauft, von Rhode für 100 Euro aus Aluminium. Damit will ich den notwendigen Abstand zwischen Gesprächspartnern und mir sicherstellen. Es gibt deutlich bessere und leichtere aus Carbon. Mit einer Angel ist es allerdings nicht getan. Beim Angeln setzt man ja meist kein Kugelmikrofon ein, sondern eher eine Niere oder ein Richtmikrofon. Die mir bekannten Nieren sind aber alle mehr oder weniger empfindlich für Körperschall. Angeln tragen Körperschall weiter oder verstärken ihn sogar. Deshalb bringt es wenig, an eine Angel irgendeine Klemmvorrichtung von einem kleinen Dreibeinstativ anzuschrauben. Das Mikro ist damit nicht entkoppelt. Besser ist da eine elastische Aufhängung, die ich ab 60 Euro gesehen habe. Anfangs hatte ich tatsächlich einen Klipp an der Angel, jetzt eine elastische Aufhängung, das ist ein Riesenunterschied.


    Ich selbst habe mir für 150 Euro ein gebrauchtes Set mit elastischer Aufhängung, Korb, death cat und einem Beyerdynamik MCE 86 II S ersteigert. Das war großes Glück, so günstig bekommt man sonst nicht mal das Mikro. Allerdings muss ich sagen, dass sich die konstruktionsbedingten Vorteile des Richtmikros, das Rausfiltern von Nebengeräuschen, nur bei Außeneinsätzen zeigen. Für geschlossene Räume klemme ich lieber das M59 an die Angel, eine dynamische Hyperniere, es klingt wärmer und rauscht weniger.

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